stressFrau Gestresst-im-Job stand heute zwei Stunden früher auf als sonst. Bevor sie die Kinder weckte, ihnen Frühstück bereitete und mit ihrem Mann noch rasch den Einkaufsplan für das Wochenende besprach, musste sie noch einen 12-Seiten-Bericht zur Verbesserung der Atemluft in beheizten Büroräumen lesen. Dieser Bericht nämlich soll heute um 9 Uhr beim 3-stündigen Meeting mit den Abteilungsleitern und Chefs ihrer Firma auf der Tageordnung stehen.

Frau Gestresst-im-Job schaffte es nun aber nicht, den Bericht vor der Arbeit vollständig zu lesen. Na gut, das mache ich in der S-Bahn, dachte sie. Dort fand sie allerdings keinen Sitzplatz, es herrschte ein dichtes Gedränge und zu allem Übel rief auch noch ihr Chef an. Sie soll als erstes zu ihm kommen, Gespräch unter vier Augen über liegengebliebene Arbeit einer Kollegin am gestrigen Abend.

Na toll, dachte Frau Gestresst-im-Job, kam schweißgebadet im Büro an, warf ihre Sachen auf den Stuhl. Auf dem Schreibtisch lag eine Liste: Dinge, die heute zu erledigen sind. Daneben ein handgeschriebener Zettel: Kollegin H. ist krank, bitte übernimm ihre Termine um 13 und 15 Uhr!

Na toll, dachte Frau Gestresst-im-Job zum wiederholten Mal an diesem Tag und setzte sich erst einmal hin. Wo beginnen? Achja,  zum Chef…

Zugegeben – dieses Szenario wirkt übertrieben. Ist es aber nicht. Das Beschriebene ist für viele Menschen in diesem Land Alltag.

Stress pur – Permanent mit anderen Dingen beschäftigt

Frau Gestresst-im-Job kommt kaum noch dazu, ihre eigentlichen Aufgaben zu erledigen, da sie permanent mit anderen Dingen beschäftigt wird. Die so genannten Nebenkriegsschauplätze überlagern mit kaum zu toppender Penetranz das Hauptgeschäft, worunter letztendlich alle zu leiden haben. Vor allem natürlich Frau Gestresst-im-Job – denn wie lange kann sie diesen Stress wohl verkraften?

Aktueller Stressreport 2012

Im aktuellen Stressreport, den Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gestern vorstellte, ist von 59 Millionen Krankheitstagen aufgrund psychischer Probleme seit 2011 die Rede, was eine Steigerung von 80 Prozent innerhalb der letzten 15 Jahre ergibt. Zu viele Dinge sind gleichzeitig zu erledigen, geben die Befragten an, ständig wird ein Arbeitsvorgang durch Telefonate u.a. unterbrochen, mitunter wird die Pause durchgemacht und nicht selten Arbeit über das Wochenende mit nach Hause genommen. Einmal abgesehen von der Tatsache, dass Stress körperlich krank macht, leidet die Psyche unter der permanenten Überlastung. Und so würde es nicht verwundern, wenn Frau Gestresst-im-Job über kurz oder lang einige der 59 Millionen Krankheitstage für sich in Anspruch nehmen muss.

Stress-Abbau – Firmen sollen mitspielen

Arbeitsministerin von der Leyen will etwas dagegen unternehmen und erwartet, dass die Firmen ebenfalls etwas für den Stress-Abbau tun. Das könnte jedoch schwierig werden, scheint dieses Phänomen doch ein gesellschaftliches Problem zu sein. Denn das müsste dann auch bedeuten, dass unserer Frau Gestresst-im-Job nicht immer wieder kostbare Arbeits- und Freizeit vom eigenen Arbeitgeber gestohlen wird mit solcher Art Beschäftigungen wie dem Bericht über die „Verbesserung der Atemluft in beheizten Büroräumen“, über den dann drei Stunden diskutiert wird. Und schließlich hieße eine Veränderung der Situation, wie sie der Stressreport 2012 zeigt,  eine Veränderung im Denken und nachfolgendem Handeln: Nicht der Profit, der Umsatz oder wie auch immer Sie dies bezeichnen möchten, sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch! Die Frage, ob das in Deutschland möglich ist, müssen Sie für sich selbst beantworten…

Frau Gestresst-im-Job wird sicher bald krankKerstin WeberPsycheStressFrau Gestresst-im-Job stand heute zwei Stunden früher auf als sonst. Bevor sie die Kinder weckte, ihnen Frühstück bereitete und mit ihrem Mann noch rasch den Einkaufsplan für das Wochenende besprach, musste sie noch einen 12-Seiten-Bericht zur Verbesserung der Atemluft in beheizten Büroräumen lesen. Dieser Bericht nämlich soll heute um...