Am Marienhospital Herne ist die PIPAC-Studie angelaufen, acht Patienten wurden jetzt in einem ersten von drei Behandlungs-Zyklen mit der Druckchemo-Methode behandelt.

„Wir haben seit 7 Wochen 700 Patientenanfragen erhalten, etwa ein Viertel der Patienten erfüllen die Kriterien, d.h. drei Viertel müssen wir leider ausschließen“, konstatiert Professor Marc Reymond (kl. Foto oben), zuständiger Chirurg am Marienhospital.

Die erwähnten Kriterien sind: Es muss sich um Frauen handeln, die an Eierstock-Krebs erkrankt sind und die bereits 2 Linien Chemotherapie (eine Linie ist eine definierte Therapie in einem bestimmten Zeitraum, die beiden Linien sollen in unterschiedlicher Anwendung erfolgt sein), aber nicht innerhalb der letzten vier Wochen, erhalten haben. Ferner dürfen bei ihnen keine Organmetastasen und kein Darmverschluss diagnostiziert worden sein. Darüber hinaus können Patientinnen mit schweren Leberfunktionsstörungen, schwerer Herzmuskelschwäche, und schwerer Niereninsuffizienz ebenso wenig an der Studie teilnehmen wie solche mit einer Erkrankung des Immunsystems.

Drei Behandlungs-Zyklen während der Therapie

Derzeit stehen noch nicht alle Patienten fest, an der PIPAC-Studie sollen alles in allem 50 Frauen teilnehmen. Diese werden zur kurzen stationären Behandlung nach Herne kommen. Am zweiten Tag ihres Aufenthaltes wird die erste Behandlung vorgenommen, am dritten Tag nach der minimal-invasiven Operation werden sie, wenn nichts dagegen spricht, wieder entlassen. Sechs Wochen später kommen die Patienten zur zweiten Behandlung. Insgesamt sind drei Behandlungs-Zyklen vorgesehen.

Mit Hochdruck-Injektor in Bauchraum blasen

Bei der Druckchemo-Therapie werden den Patientinnen Doxorubicin und Cisplatin verabreicht. Diese Medikamente werden in einer speziellen, zertifizierten Abteilung der Apotheke des Marienhospitals Herne eigens für die Studie hergestellt.

Zunächst wird eine Biopsie vorgenommen, im Anschluss das Medikament mit einer Mikropumpe vernebelt und mit einem Hochdruck-Injektor ferngesteuert 30 Minuten lang direkt in die Bauchhöhle geblasen. Durch die Vernebelung kann das Medikament besser verteilt werden und auch besser in den Tumorknoten eindringen. Auf diese Art und Weise ist es möglich, mit kleiner Medikamenten-Dosis zu arbeiten, die liegt bei 2 bis 3 mg.

Nebenwirkungen sind dennoch möglich, wenngleich sie sich von jenen der herkömmlichen Chemotherapie unterscheiden und vornehmlich im lokalen Bereich auftreten. Das vernebelte Medikament „dringt auch in das gesunde Bauchfell ein, so dass es zu Bauchfellentzündungen kommen kann, der Patient hat dann möglicherweise ein paar Tage Schmerzen, aber die sind behandelbar“, so Professor Dirk Strumberg, Direktor der Klinik III Hämatologie/Onkologie des Marienhospitals (Interview).

Wenn der Patient die erste Behandlung nicht verträgt, also z.B. „wenn er starke Schmerzen hat oder eine Infektion bekommt oder sich trotzdem Metastasen bilden, dann macht man das kein zweites mal“; so Professor Dirk Strumberg.

Die Chirurgen um Professor Marc Reymond bilden eine homogene Gruppe, die im Vorhinein festgelegt wurde. So kann sichergestellt werden, dass einer dieser Chirurgen immer vor Ort ist.

Auch in Tübingen bald Behandlungen möglich

Professor Marc Reymond: „Peritonealkarzinose-Patienten mit anderen Krankheitsbildern dürfen wir außerhalb der Studie im Rahmen eines individuellen Heilversuches behandeln (Zusage der Ethikkommission liegt vor). Allerdings auch hier sind ein Darmverschluss oder Organmetastasen Ausschlusskriterien. Außerdem sollen die Patienten schon eine Leitlinien-konforme Therapie erhalten haben. Das Universitätsklinikum Tübingen (zurzeit einziges zertifiziertes Zentrum in Deutschland für die Behandlung von Peritonealkarzinose) hat entschieden, mit der PIPAC-Therapie anzufangen, es wird allerdings noch mehrere Wochen dauern, bis der erste Patient dort behandelt wird.“

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Neues aus Herne: 8 Patienten bereits mit Druckchemo in Herne behandeltKerstin WeberDruckchemoBauchfellkrebs,Druckchemo,Krebs,PIPACAm Marienhospital Herne ist die PIPAC-Studie angelaufen, acht Patienten wurden jetzt in einem ersten von drei Behandlungs-Zyklen mit der Druckchemo-Methode behandelt. „Wir haben seit 7 Wochen 700 Patientenanfragen erhalten, etwa ein Viertel der Patienten erfüllen die Kriterien, d.h. drei Viertel müssen wir leider ausschließen“, konstatiert Professor Marc Reymond (kl. Foto...