Humangenetiker untersuchen mögliche Zusammenhänge zwischen Gendefekten und Krebs. Dabei steht zunächst nicht die Frage im Vordergrund, ob der Defekt angeboren oder im Laufe des Lebens erworben wurde. Auf der Grundlage der molekulargenetischen Forschung und anhand von empirischen Daten lassen sich solche Zusammenhänge belegen und noch mehr: Wird der Gendefekt an die Nachkommen vererbt, so besteht die Möglichkeit, dass diese ebenfalls an Krebs erkranken können. Der betreffende Gendefekt kann von ihnen dann wiederum an ihre Kinder weiter vererbt werden. Eine Generation überspringen – das allerdings geht nicht, so die Meinung von Humangenetikern.

Bislang können diese Zusammenhänge zwischen Gendefekten und der Erkrankung an Krebs bei Brustkrebs, Darmkrebs und Eierstockkrebs wissenschaftlich belegt werden.

Gentest als Krebsvorsorge?

Wer an Krebs erkrankt ist, kann sich nach einer entsprechenden Beratung einem Gentest unterziehen, um einerseits eine mögliche Ursache für seine Krebserkrankung in Erfahrung zu bringen und um andererseits zu wissen, was er da evtl. an seine Kinder weiter gibt. Mittels Sequenzierung wird im genetischen Material gezielt nach solchen Defekten gesucht.

Ob sie sich einem Gentest unterziehen, ist für viele Menschen eine schwere Entscheidung, vor allem für die Kinder Betroffener. Sie müssen sich selbst die Frage beantworten: Will ich wirklich wissen, ob ich den Gendefekt meiner Mutter/meines Vaters geerbt habe? Und wenn ich wüsste, dass ich ihn habe, wie soll ich leben mit diesem Wissen, dass die Krankheit jederzeit ausbrechen kann? Andere sehen aber gerade in diesem Wissen eine Chance, indem sie bewusster leben und/oder präventiv viel für ihre Gesundheit tun, was sie sonst vielleicht nicht getan hätten.

Gentest bei allen Neugeborenen?

Doch nicht nur Betroffene denken über die Konsequenzen nach. Während sich die einen über den Fortschritt der Forschung freuen, warnen andere: Sollte die Gentest-Methode irgendwann flächendeckend zum Einsatz kommen, so würde es schließlich auch als völlig normal gelten, diese Tests bei allen Neugeborenen machen zu lassen, so eine Prognose. Diese Kinder haben dann nicht mehr die Chance, von ihrem Recht auf Nicht-Wissen Gebrauch zu machen. Darüber hinaus könnte Kinderlosigkeit zu einem Ziel gemacht werden, wenn die Gene der potentiellen Eltern nicht so sind, wie sie sein sollen, was als ethisch bedenklich eingestuft wird.

Gendefekt als mögliche Ursache von KrebsKerstin WeberForschungsergebnisseGendefekt,Gentest,KrebsHumangenetiker untersuchen mögliche Zusammenhänge zwischen Gendefekten und Krebs. Dabei steht zunächst nicht die Frage im Vordergrund, ob der Defekt angeboren oder im Laufe des Lebens erworben wurde. Auf der Grundlage der molekulargenetischen Forschung und anhand von empirischen Daten lassen sich solche Zusammenhänge belegen und noch mehr: Wird der Gendefekt...