Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Nachrichtenagenturen: Ärzte des amerikanischen National Cancer Institute fordern einen neuen Umgang mit dem Begriff bzw. mit der Diagnose Krebs.

So sollen bestimmte Abweichungen von der Normalität, wie z.B. solche im Gewebe oder an Organen nicht automatisch gleich als Krebs oder Vorstufe von Krebs bezeichnet werden. Die Ärzte sind der Meinung, dass heutzutage aufgrund der Technik, mit welcher wirklich minimale Veränderungen sichtbar gemacht werden, zwischen eben diesen Veränderungen und der tatsächlichen Krankheit Krebs unterschieden werden müsse.

Tut man das nicht, so würde der Patient von vorn herein den Begriff „Krebs“ im Hinterkopf haben und das würde ihn übermäßig belasten.

Noch ist nicht klar, wie deutsche Ärzte dazu stehen

Die Ärzte fordern, das mit Krebs nur jene Veränderungen bezeichnet werden sollen, die unbehandelt sehr wahrscheinlich zum Tod führen. D.h., wenn jemand Lungenkrebs hat, es keine Rettung mehr gibt, er aber in Behandlung ist, dann soll es nicht „Krebs“ heißen? Das kann sicherlich nicht gemeint sein.

Noch ist nicht klar, wie deutsche Ärzte zu dem Thema stehen, da die Debatte in der Öffentlichkeit gerade erst beginnt. Vielleicht mag der eine oder andere Onkologe jetzt sagen: „Was soll die Diskussion? Ich sehe eine Veränderung und sage dem Patienten, dass ich eine Veränderung sehe. Ich sage doch nicht: Sie haben Krebs. Sondern ich sage: Wir müssen das im Auge behalten. Wir müssen das genauer untersuchen. Ich glaube nicht, dass ein Arzt die Diagnose Krebs leichtfertig stellt.“

Wichtig ist immer das aufklärende Gespräch. Sind die Veränderungen nicht mehr minimal, sollte es ein Arzt als seine Pflicht ansehen, dem Patienten mögliche Folgen zumindest auseinanderzusetzen. Eine entsprechende Diagnose wird in den meisten Fällen ohnehin erst gestellt, wenn die Blutwerte und/oder Gewebeproben den Schluss der Bösartigkeit zulassen. Läuft das in den USA anders?

Beispiele: Brustkrebsscreening und Prostata-Krebs

Natürlich ist es eine große seelische Belastung für denjenigen, der die Diagnose Krebs erhält. Aber hat er nicht ein Recht darauf? Schließlich ist es sein Leben.  Und wenn er sich bei einer minimalen Veränderung bereits unters Messer begeben will, so kann der Arzt davon immer noch abraten.

Herangezogen werden Beispiele wie das Brustkrebsscreening, bei vielen Frauen zeigt sich ein Befund, bei 90% aber ist es kein Krebs. Ein andere Beispiel ist Prostata-Krebs, hier würde viel zu oft operiert, wenn der PSA-Wert erhöht ist, beklagen sich die Ärzte des National Cancer Institute. Und hier mögen sie Recht haben. Ihrer Meinung nach werden zu oft Überdiagnosen gestellt. Ich selbst habe das in meinem Umfeld jedoch noch nie erlebt…

Muss der Begriff „Krebs“ neu definiert werden?Kerstin WeberKrebs -- MagazinDiagnose,KrebsVor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Nachrichtenagenturen: Ärzte des amerikanischen National Cancer Institute fordern einen neuen Umgang mit dem Begriff bzw. mit der Diagnose Krebs. So sollen bestimmte Abweichungen von der Normalität, wie z.B. solche im Gewebe oder an Organen nicht automatisch gleich als Krebs oder Vorstufe von...