Nina schafft es nicht mehr allein. Sie ist nicht mehr nur deprimiert, sie ist nicht mehr nur schlecht gelaunt, sie hat nicht mehr nur vorübergehend keine Kraft. Nina ist depressiv. Das sagt zumindest ihr bester Kumpel. Und sie glaubt ihm. Weil er nur das ausspricht, was sie schon seit einiger Zeit weiß. Eines ist klar: Nina muss etwas tun! Sie sucht sich ein paar Telefon-Nummern von Psychotherapeuten aus der Stadt heraus. Ruft an.

Termin beim Psychotherapeuten machen – nicht leicht

Beim ersten läuft lediglich der Anrufbeantworter: „… wir können zur Zeit keine neuen Patienten aufnehmen …“

Beim zweiten meldet sich eine freundliche Dame. Nina erläutert ihr Problem. „Es tut uns leid, aber wir haben momentan keine freien Kapazitäten. Das einzige, das ich Ihnen anbieten kann, ist ein Erstgespräch in drei Wochen, nach diesem beträgt die Wartezeit zirka vier Monate.“

Na gut, denkt Nina, dieser Therapeut ist vielleicht besonders beliebt. Schnell wird sie jedoch eines Besseren belehrt. Bei Therapeut Nr. 3, 4 und 5 bekommt sie die gleiche Auskunft.

Genervt fragt sie: „Was soll ich nun tun? Ich habe die Depression jetzt und nicht in einem halben Jahr!“ „Wenn es zu schlimm wird, bleibt Ihnen nur der Weg ins Krankenhaus. Dort müssen Sie aufgenommen werden. Oder Sie versuchen es mit einer Selbsthilfegruppe.“ Na toll, denkt Nina, das kann ja wohl kaum die Lösung sein.

Zu viele Kranke, zu wenige Psychotherapeuten

In Deutschland fehlen zur Zeit ca. 3.000 Praxen für die ambulante psychotherapeutische Betreuung. Bestehende Praxen würden gern weitere Therapeuten anstellen, dürfen das mitunter jedoch nicht, wenn in ihrem Einzugsgebiet (meist Landkreis oder kreisfreie Stadt) bereits genügend zur Verfügung stehen. Nach der Bedarfsplanung (die zu Beginn dieses Jahres reformiert wurde) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind dies auf dem Land zumeist unter zehn Psychotherapeuten für 100.000 Einwohner.

Die derzeitige Wartezeit auf ein Erstgespräch beträgt durchschnittlich 3 Monate. Wer seinen Zustand nicht mehr erträgt, so lange nicht warten möchte oder kann, muss ins Krankenhaus. Dort ist er unter kurzzeitiger Kontrolle, eine ambulante Therapie erhält er deshalb aber noch nicht. Vielleicht besteht die Möglichkeit einer stationären Therapie. Für Menschen wie Nina ist das jedoch keine Alternative. Sie rief nochmals in der Praxis an, in welcher ein Erstgespräch bereits nach 3 Wochen stattfinden kann, wohl wissend, dass sie damit schon richtig Glück hat. Mit dem nächsten Anruf meldete sie sich in einer Selbsthilfegruppe an…

Depression und kein Platz für eine Psychotherapie frei?!Kerstin WeberDepressionenDepressionen,PsychotherapeutNina schafft es nicht mehr allein. Sie ist nicht mehr nur deprimiert, sie ist nicht mehr nur schlecht gelaunt, sie hat nicht mehr nur vorübergehend keine Kraft. Nina ist depressiv. Das sagt zumindest ihr bester Kumpel. Und sie glaubt ihm. Weil er nur das ausspricht, was sie schon seit...