Was haben Johann Sebastian Bach und Metallica gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht all zu viel. Naja, eine Reihe an Noten vielleicht.

Die Wirkung der Musikstile dieser Beiden auf uns Menschen sind jedoch völlig unterschiedlich, Bach beruhigt, Metallica putscht auf. So dachten wir zumindest bisher.

Aber: So einfach lässt sich das nicht behaupten! In einer noch unveröffentlichten Studie des Marienhospitals Herne (Ruhr Universität Bochum) konnten jetzt völlig unerwartete Schlussfolgerungen gezogen werden.

In den letzten zwei Jahren wurden 120 freiwillige gesunde Menschen unter Versuchsbedingungen mit unterschiedlicher Musik bespielt: Johann Sebastian Bach, ABBA und Heavy Metal. Gemessen wurden dabei Herzfrequenz, systolischer und diastolischer Blutdruck sowie das Verhalten der Stresshormone.

Versuche: Blutdruck sinkt bei Heavy Metal

Dass bei Bach mit positiven Ergebnissen bezüglich einer Beruhigung der Probanden zu rechnen war, davon wurde eigentlich ausgegangen. Nicht aber bei Heavy Metal. Und doch zeigten sich auch hier positive Effekte. Und das, obwohl an der Studie zur Hälfte Menschen teilnahmen, die über 50 Jahre alt sind, und deren Lieblingsmusik vielleicht nicht zwingend die wilde Klänge des Metal sind.

„Bach war am ausgeprägtesten“, sagt der Herzspezialist Prof. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie u. Angiologie) am Marienhospital Herne, „bei Bach ging der Blutdruck runter, und zwar sowohl der systolische als auch der diastolische. Und ebenso die Herzfrequenz. Aber auch bei Heavy Metal haben wir diesen Effekt festgestellt, der Blutdruck sank um 3,6 mmHg“. Ähnlich gestaltete es sich bei der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel und Arcangelo Corelli.

Und das war nicht die einzige Überraschung, die zweite zeigte sich in der Musik von ABBA: „Hier haben wir keinerlei Effekte beobachten können“, so Prof. Trappe.

Beruhigung über das vegetative Nervensystem

Interessant ist ferner, dass der Musik-Geschmack der Probanden kaum Einfluss auf die Blutdruck- und Herzfrequenz-Werte zu haben scheint. Die Teilnehmer wurden nach ihrem persönlichen Musik-Vorlieben befragt. In diesem Zusammenhang fanden die Wissenschaftler heraus, dass der Blutdruck auch bei jenen sank, denen die eingespielte Musik Bachs gar nicht gefallen hatte, was als Beweis dafür gesehen wird, dass diese Vorgänge über das vegetative Nervensystem ablaufen.

„Jetzt wissen wir, das es funktioniert“, freut sich Prof. Trappe, „der nächste Schritt wird sein, Patienten mit hohem Blutdruck dieser Musik auszusetzen und dann zu schauen, ob es ein Medikament Musik gibt.“ Diesbezüglich zeigt sich der Herzspezialist zuversichtlich, denn: „wir hatten Senkungen von bis zu 7,5 mmHg, mit Medikamenten erreicht man zwischen 5 und 6 mmHg“. Bei leichten Fällen von Hypertonie könnte das Medikament Musik also durchaus anschlagen, „bei den schweren Fällen wird es wohl nicht funktionieren“, so Prof. Trappe.

Dass sich Musik positiv auf unser Wohlbefinden auswirkt, ist keine neue Tatsache, entsprechende Therapien werden bei anderen Krankheiten wie z.B. Demenz bereits angewendet, „aber wir wollen das wissenschaftlich beweisen“, betont der Herzspezialist vom Marienhospital.

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