schmerzIn Deutschland sind zirka 12 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen. Abgesehen von der jeweils individuellen Leidensgeschichte, die oft mit zahlreichen Arztbesuchen einhergeht und meist eine große psychische Belastung darstellt, sind  die Kosten für das Gesundheitssystem riesig. Laut Schätzungen verursachen chronische Schmerzen in Deutschland jedes Jahr Kosten von rund 38 Milliarden Euro. Am Dienstag, dem 3. Juni, gibt es einen Aktionstag gegen den Schmerz.

Die Funktion des Schmerzes: Schutzreaktion auf Reize

Schmerz ist eine wichtige Reaktion des Körpers auf eine Vielzahl von Ursachen. Der eigentliche Zweck des Schmerzes ist ein kaum zu ignorierendes, weil unangenehmes bis starkes Signal an das Gehirn, welches im Allgemeinen nichts anderes bedeutet als: Gewebe in Gefahr! Schmerz ist also eigentlich eine positive Schutzreaktion auf starke schmerzauslösende Reize.

Solche Reize können Gefährdungen von Gewebe bzw. Organen von außen sein. Dazu gehören Verletzungen durch rein mechanische Einwirkungen (Schnitte, Quetschungen, Brüche etc.), chemisch/physikalische Einwirkungen (z.B. Verätzungen, Verbrennungen, Erfrierungen etc.).

Schmerzreaktionen erfolgen aber auch auf Reize, die aus dem Körper selbst kommen und vorwiegend physiologische Ursachen haben oder deren Folgen sind, wie Koliken bei Nieren- oder Gallensteinen, Schmerzen bei Entzündungen oder mechanischen Reizungen im Magen-Darm-Trakt, Tumorschmerzen, Entzündungen von Nerven (z.B. Gürtelrose), Gelenkentzündungen, Zahnschmerzen.

Vor allem bei starken Einflüssen von außen, die oft mit einem bedrohlichen Ereignis zusammenhängen (Unfall), kann das Gehirn durch eine heftige Reaktion das komplexe System aus zentralem Nervensystem und den innersekretorischen Drüsen anregen, Adrenalin in großen Mengen aus zuschütten. Dadurch wird die Reiz- bzw. Impulsleitung des Schmerzes zum Gehirn verringert oder ganz unterbunden. Der Körper befindet sich in einer Ausnahmesituation, im Schockzustand. In diesem Zustand können vollkommen unkontrollierbare Handlungen ausgelöst werden, die von lähmungsartiger Untätigkeit bis zur ziellosen Flucht vom Unfallort reichen können.

Ein weiteres Phänomen ist die Subjektivität des Schmerzempfindens, das als Schmerzschwelle bezeichnet wird. Absolut vergleichbare Reizzustände werden von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich wahrgenommen.

Der chronische Schmerz

Es ist zu unterscheiden, ob nur der Schmerz als solcher chronisch auftritt oder die Ursache chronisch ist (z.B. unheilbarer Tumor, chronische Gelenkschäden bzw. -entzündungen) und damit der Schmerz als chronisch erscheint oder sich sogar beide Formen vermischen.

Der Körper besitzt die Eigenschaft, Reizleitungen im Nervensystem zu erlernen. Das ist bei trainierten Handlungen sehr wichtig und beginnt bereits im Säuglingsalter. Leider lernt und trainiert der Körper auch die Weiterleitung des Schmerzreizes und tut dies auch dann, wenn keine der o.g. Ursachen mehr vorhanden sind. Dies passiert nicht nur im Gehirn, sondern auch in den zahllosen Nerven, die von den Organen ins Rückenmark führen und dort regelrechte Schmerzleitungsschleifen ausbilden können. Es kann z.B. einen Schmerzreizkreislauf zwischen Hüftgelenk und Rückenmark geben, den das Nervensystem beim Auftreten des akuten Schmerzes gelernt hat, dessen Ergebnis das Gehirn dann als Schmerz registriert. Es wird vom Schmerzgedächtnis des Körpers gesprochen. Ein gutes Beispiel, um dies zu verdeutlichen, ist z.B. der Bandscheibenvorfall.
Viele der Patienten haben nach der operativen Beseitigung des Gewebes, das auf die Nervenbahnen drückt, unvermindert starke Schmerzen. Die Ursache ist beseitigt. Der Schmerz bleibt, er ist chronisch geworden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit zahlloser Bandscheibenoperationen.

Vielmehr ist der schnelle und beherzte Einsatz des Therapeuten gefragt, den Schmerz schnell und wirkungsvoll zu bekämpfen, um den Lerneffekt zu verhindern. Dazu müssen oft wirksame Schmerzmedikamente gezielt z.B. in Form von Injektionen eingesetzt werden.

Chronische Schmerzen treten in vielfältigen sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Oft leiden die Patienten viele Jahre unter den Schmerzen, ohne dass ärztliche Hilfe Ergebnisse zeigen. In diesen Fällen ist die Hilfe durch spezialisierte Schmerztherapeuten unerlässlich und kann bei einem relativ großen Anteil der Patienten Erfolge bewirken und die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind mannigfaltig und können u.a. von einfachen Anwendungen wie autogenen Trainingsmethoden, Yoga, Meditationstechniken über sporttherapeutische Maßnahmen, Lernen von Bewegungsabläufen, Ausdauertraining, Akupunktur, Akupressur, Medikamentengaben bis hin zum operativen Eingriff gehen, bei dem ein ständig chronischen Schmerz signalisierender Nerv durchtrennt wird (Methode als eventuelle ultimative Hilfe bei chronischem neurotischen Gürtelroseschmerz). Wichtig ist in vielen Fällen eine psychologische Betreuung bis hin zur Seelsorge.

Bei chronischen Schmerzen sind die Behandlungen immer individuell und von der Diagnose abhängig. Diagnose und Therapie könne sehr aufwändig und zeitintensiv sein. Nicht immer sind sie erfolgreich!

Behandlung und eigene Aktivität gegen den Schmerz

Auch hier gilt es, zwischen akutem und chronischem Schmerz zu unterscheiden. Ein Patient mit Gelenkproblemen kann mit Hilfe guter Sport-/Physiotherapeuten Methoden erlernen, bestimmten Schmerz verursachenden Fehlhandlungen und Fehlhaltungen entgegen zu wirken. Ein typisches Beispiel ist die Rückenschule und die Anleitung zu schonenden und altersgerechten Bewegungsabläufen, die nicht als Therapie, sondern als Prophylaxe einzustufen sind.

Weiterhin gehören dazu die Verinnerlichung bestimmter Verhaltensweisen bei der Ernährung, der Einstellung zum Körpergewicht und die Einbindung körperlicher Aktivität in die Freizeitgestaltung, aber auch die vernünftige Gestaltung von Arbeitsabläufen, die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen – auch im Haushalts- und Freizeitbereich. Dies geht bis hin zur richtigen Wahl des Schuhwerkes oder der richtigen Matratze für die Nachtruhe.

Bei chronischen Schmerzen liegen die bedeutendsten Möglichkeiten der Selbsthilfe nach wie vor im mentalen Bereich. Durch die Anwendung autosuggestiver oder meditativer Methoden lässt sich erlernen, die Schmerzschwelle zu verschieben, Panikzustände, die sich oft bei starkem Schmerz einstellen, zu mildern oder von vorn herein zu verhindern. Depressive Episoden können durch erlernte Schutzprogramme aus den vielfältigen Methoden der Autosuggestion vermieden oder rechtzeitig abgefedert werden. In jedem Fall ist eine sachgerechte und verantwortungsvolle Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer der jeweiligen Technik unerlässlich.

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Schmerztherapie kann langwierig sein

Trotz der Häufigkeit chronischer Schmerzen sind diese noch nicht lange als eigenständige Krankheit akzeptiert. Die heutige Akzeptanz ist dem amerikanischen Arzt John Bonica zu verdanken, der 1960 die erste auf Schmerzen spezialisierte Klinik der Welt gründete. Seitdem wurden auch in Deutschland viele auf Schmerz spezialisierte Abteilungen oder Ambulanzen eingerichtet.

Trotz Anerkennung als eigenständiger Krankheit und Spezialisierung der Ärzte kann die Schmerztherapie langwierig sein. Nicht immer bringt der erste Behandlungsversuch den erwünschten Erfolg der Schmerzfreiheit. Allein die Suche nach den Schmerzursachen ist oft mühevoll. Denn hinter Kopf- und Rückenschmerzen beispielsweise können zirka achtzig verschiedene Ursachen stehen. Der gemeinsame Weg in der Schmerztherapie verlangt daher von Schmerzpatienten und ihren Behandlern Geduld. Am Anfang steht die sorgfältige Untersuchung der dem Schmerz zugrunde liegenden Ursachen. Sie ist Grundlage jeder modernen Schmerztherapie und Basis einer gezielten Behandlung, die idealerweise unter Einbeziehung verschiedener Berufsgruppen erfolgen sollte. Neben dem auf Schmerz spezialisierten Arzt und schmerztherapeutisch orientierten Psychologen tragen Physiotherapeuten durch gezielte Übungen zur Schmerzreduzierung und -bewältigung bei. Weitere wichtige Berufsgruppen im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes, der alle körperlichen, psychischen und sozialen Anteile des Schmerzproblems berücksichtigt, sind u.a. Pflegeberufe, Ergotherapeuten und Seelsorger. Oft müssen Therapien durch Ärzte/Therapeuten und Selbsthilfe kombiniert werden, um erfolgreich chronische Schmerzen zu vermindern oder ganz zu beseitigen.

Was ist der Schmerz und was kann ich dagegen tun?A. N.Andere Krankheitenchronische Schmerzen,SchmerzIn Deutschland sind zirka 12 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen. Abgesehen von der jeweils individuellen Leidensgeschichte, die oft mit zahlreichen Arztbesuchen einhergeht und meist eine große psychische Belastung darstellt, sind  die Kosten für das Gesundheitssystem riesig. Laut Schätzungen verursachen chronische Schmerzen in Deutschland jedes Jahr Kosten von rund...