foto Bill Branson übergewicht - KopieDie Zahl der Übergewichtigen und Adipösen in Deutschland steigt immer weiter an. Abgesehen von dem Leid jedes einzelnen Betroffenen ergeben sich immer höhere  Behandlungskosten. Derzeit werden diese in Deutschland auf rund 15 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Sinnvoll ist es in diesem Zusammenhang, sich Gedanken über die Prävention zu machen und zu handeln, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Das vorrangige Ziel „ist eine Gewichtsstabilisierung. Aus gesundheitlichen Gründen sollten Erwachsene einen BMI von 25 kg/m² und/oder einen Taillenumfang von 80 cm (Frauen) bzw. 94 cm (Männer) nicht überschreiten“, heißt es in der Leitlinie „Adipositas – Prävention und Therapie“, die unter Federführung der Deutschen  Adipositas-Gesellschaft (DAG) vor einigen Wochen herausgegeben wurde.

Zur Prävention gehört die Aufklärung. Wer sich nicht mit seinen Essgewohnheiten auseinandersetzt, wer sich nicht darum kümmert, was in den Nahrungsmitteln enthalten ist, die er verspeist, wird sein Gewicht kaum halten oder gar reduzieren können.

10 Regeln der DGE für Adipöse

Der Adipöse muss sich informieren.
Dabei kann er sich an die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halten:

– Die Lebensmittelvielfalt genießen
– reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln
Gemüse und Obst – Nimm „5 am Tag“
– Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal in der Woche, Fleisch,
Wurstwaren sowie Eier in Maßen
– wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
Zucker und Salz in Maßen
– Reichlich Flüssigkeit
– sich Zeit nehmen und genießen
– auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

In der Leitlinie wird empfohlen, bei der Ernährungsumstellung und der Gewichtsreduktion zirka 500 kcal pro Tag weniger zu essen als vorher. Zudem sollen neben der Ernährungstherapie auch Bewegungs- sowie Verhaltenstherapie vorgenommen werden.

Therapie: Individueller Ernährungsplan

Neben der Prävention wird der Therapie Platz in der Leitlinie eingeräumt. „Ziel der Gewichtsreduktionstherapie ist die langfristige Senkung des Körpergewichts verbunden mit einer Verbesserung Adipositas-assoziierter Risikofaktoren, Reduzierung von Adipositas-assoziierten Krankheiten, Verminderung des Risikos für vorzeitige Sterblichkeit, Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Berentung sowie Steigerung der Lebensqualität“, heißt es in der Leitlinie. Dabei ist es wichtig, dass die Betroffenen einen individuellen Ernährungsplan erhalten. Ferner sollen „dem Patienten Ernährungsformen empfohlen werden, die über einen ausreichenden Zeitraum zu einem Energiedefizit führen und keine Gesundheitsschäden hervorrufen“.

Wie bei der Prävention ist auch bei der Therapie auf Bewegung zu achten. Der Unterschied besteht in der Art der Bewegung. Adipöse können nicht alle Sportarten durchführen. Auch hier ist ein jeweils individueller Plan zu erarbeiten.

Verhaltenstherapie als dritte Komponente

Was die Verhaltenstherapie betrifft, so wird laut Leitlinie auf Folgendes Wert gelegt:

– Selbstbeobachtung von Verhalten und Fortschritt (Körpergewicht, Essmenge,
Bewegung)
– Einübung eines flexibel kontrollierten Ess- und Bewegungsverhaltens (im Gegensatz
zur rigiden Verhaltenskontrolle)
– Stimuluskontrolle
– Kognitive Umstrukturierung (Modifizierung des dysfunktionalen Gedankenmusters)
– Zielvereinbarungen
– Problemlösetraining/Konfliktlösetraining
– Soziales Kompetenztraining/Selbstbehauptungstraining
– Verstärkerstrategien (z. B. Belohnung von Veränderungen)
– Rückfallprävention
– Strategien zum Umgang mit wieder ansteigendem Gewicht
– Soziale Unterstützung

Berechnung Grundumsatzes für übergewichtige und adipöse Patienten

Zur Berechnung des Grundumsatzes (GU) kann folgende Formel verwendet werden:

BMI > 25 bis < 30 kg/m²:
GU (MJ/d) = 0,045 x Körpergewicht (kg) + 1,006 x Geschlecht – 0,015 x Alter (J) + 3,407

BMI ≥ 30kg/m²:
GU (MJ/d) = 0,05 x Körpergewicht (kg) + 1,103 x Geschlecht – 0,016 x Alter (J) + 2,924

Geschlecht: weiblich = 0; männlich = 1
Zur Umrechnung von kJ auf kcal mit dem Faktor 0,239 multiplizieren!

Langfristige Senkung des Körpergewichts Adipöser mit Bewegungs- und VerhaltenstherapieKerstin WeberErnährungAdipositas,Ernährung,Leitlinie,ÜbergewichtDie Zahl der Übergewichtigen und Adipösen in Deutschland steigt immer weiter an. Abgesehen von dem Leid jedes einzelnen Betroffenen ergeben sich immer höhere  Behandlungskosten. Derzeit werden diese in Deutschland auf rund 15 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Sinnvoll ist es in diesem Zusammenhang, sich Gedanken über die Prävention zu machen...