SchnapsRund 15.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr infolge des Alkoholgenusses. Jugendliche trinken um die Wette, trinken sich ins Koma, weil sie hipp sein wollen. Ärzte warnen vor dem übermäßigen Genuss von Alkohol. Überall wird aufgeklärt. Jeder kann sich informieren. Gerade scheint eine Zeit gekommen, da der Verzehr der flüssigen Droge ein wenig zurückgeht. Just in diesem Moment will ein Münchner TV-Sender einen Alkohol-Knaller in sein Programm bringen.
Nicht etwa zur weiteren Aufklärung. Nicht etwa gegen den Alkohol. Nein – Alkohol wird in dieser neuen Sendung verherrlicht. Das ist ein Tabu-Bruch!

Nun sind wir ja schon einiges gewohnt im deutschen Fernsehen und wundern uns eigentlich nicht mehr über die zahlreichen Möchtegern-Helden, hochstilisierten Nobodys, quietschenden Scheinsänger, dümmlichen Reality-Soap-Dialoge und die Ich-weiß-nicht-wie-vielen Sozial-Pornos. Aber Saufen im TV – das ist selbst all dieser Sender unwürdig.

Da müssen sich offenbar ein paar altgewordene ehemalige „Show“-Leute wieder ins Rampenlicht rücken, damit sich die TV-verblendete Welt an sie erinnert. Damit sie wieder ins Gespräch kommen, weil sie ansonsten kein Gesprächthema mehr bieten.

Saufen im TV – das neue Bildungsprogramm?

Da wollen sie vor laufender Kamera saufen, bis der Arzt kommt. Aber welcher Arzt kommt da? Welcher Arzt macht eine solche fragwürdige Geschichte zu seiner eigenen? Welchem Arzt, der um die Droge Alkohol weiß, kommt bei einer solchen Aktion nicht das kalte Kotzen? Dem, der genügend Geld für seinen Auftritt bekommt, der selbst vor die Kamera treten darf, wenn die ersten Schnapsleichen unter den Tisch gefallen sind und er sie wiederbeleben darf?

Und was ist mit denen zu Hause an den Bildschirmen? Wie viele werden realisieren, dass es sich bei dieser Show mit dem Titel „Der Klügere kippt nach“ (was ja bereits alles über den Intelligenz-Level aussagt) NICHT um das neue Bildungsprogramm handelt? Werden wir nicht Sprüche hören wie: „Na wenn sogar die im Fernsehen saufen, kann das ja nicht so ungesund sein!“ Oder: „Das ist doch nur Unterhaltung. Alles halb so wild!“

Von wegen. Der blanke Hohn. Denen gegenüber, die sich das Gehirn bereits aus dem Kopf gesoffen haben. Denen gegenüber, die täglich ihre ganze Kraft daran setzen, jenen zu helfen, die an der Flasche hängen. Der blanke Hohn. Und eine Beleidigung der Intelligenz derer, die jenseits monetarisierungsgeprägter Scheinwelten eine wesentlich höhere Erwartungshaltung an die realen Medien-Schöpfungen im Lande haben.

Kerstin WeberDies & DasAlkohol,Aufklärung,Droge,TrinkenRund 15.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr infolge des Alkoholgenusses. Jugendliche trinken um die Wette, trinken sich ins Koma, weil sie hipp sein wollen. Ärzte warnen vor dem übermäßigen Genuss von Alkohol. Überall wird aufgeklärt. Jeder kann sich informieren. Gerade scheint eine Zeit gekommen, da der Verzehr der...