Neulich entdeckte ich bei Facebook eine wahre Lobeshymne auf veganen Joghurt. Ein Veganer hatte gepostet, dass es einen ganz neuen mit einer neue Geschmacksrichtung gäbe. Das Ganze wurde von verschiedenen weiteren Veganern kommentiert. Was mir dabei auffiel, waren die durchweg positiven Bekundungen. Und mehr noch: Da reihten sich Superlative an Superlative. Ein Kommentator übertraf den anderen Kommentator mit lobenden überschwänglichen Worten.
Ich war peinlich berührt. Aber wieso? Nun – diese grenzenlose Freude kam mir irgendwie gedopt vor. Und ich hatte das Gefühl, als würden die sich zu Wort meldenden Veganer etwas anbeten, ja überspitzt formuliert: Als wäre der vegane Joghurt etwas Heiliges.

Und das ist er in meinen Augen ganz gewiss nicht, nicht im Ansatz! Warum? Die Antwort kommt gleich.

Veganer Joghurt: Unnatürliche Zutaten

Zunächst ein paar Worte zu meiner Recherche. Auch ich suchte einen guten Ersatz für den herkömmlichen Joghurt aus tierischer Milch. Ich wollte weg davon oder den Verzehr zumindest stark reduzieren. Nicht wegen des Geschmacks, nein, der ist völlig in Ordnung, und auch nicht, weil ich der Meinung bin, dieser sei etwa nicht gesund. Nein, der Grund ist, dass ich immer das markerschütternde Brüllen des Kalbes im Ohr habe, das seiner Mutter kurz nach der Geburt entzogen wird, damit wir Menschen deren Milch bekommen.
So zog ich durch die Supermärkte, anfangs guten Mutes, denn die Produktpalette an nicht-tierischen Joghurts schien mir breit zu sein. Beim genaueren Hinsehen, sprich, lesen der Zutatenliste, folgte jedoch rasch die Ernüchterung: Was da alles drin ist, will ich meinem Körper nicht geben.

Die Zutaten in meinem Beispiel-Joghurt (siehe kl. Foto): Gleich nach Wasser und Sojabohnen steht Zucker bereits an dritter Stelle.
Außerdem enthalten sind folgende Lebensmittelzusatzstoffe:

Tricalciumcitrat (E 333): Calciumsalz der Citronensäure. Es wird auf industriellem Wege aus benannter Säure extrahiert, dabei muss diese jedoch mit Calciumhydroxid (E 526; in fester Form: Löschkalk; in flüssiger Form starke, ätzende Base; wird chemisch hergestellt) neutralisiert werden.

Stabilisator (Pektin E 440):  Findet sich in Obst und Gemüse. Da sind Pektine natürlich. Als E 440 in unserer Nahrung ist die Natürlichkeit jedoch dahin, denn dieser Stabilisator wird mit hohem Aufwand industriell hergestellt.

Säureregulatoren:
Natriumcitrat (E 331): Natriumsalz der Citronensäure, wird industriell gewonnen durch die Behandlung der Citronensäure mit Natronlauge
Citronensäure (E 330): Auch diese kommt in der Natur vor. Aber auch diese wird nicht 1:1 von der Lebensmittelindustrie übernommen, sondern biotechnologisch aus Mikroorganismen hergestellt.

Aroma: Nicht ersichtlich, ob natürliches oder künstliches Aroma enthalten ist – es stellt sich außerdem die Frage, wofür ein Naturjoghurt Aroma benötigt. Aroma kann ich meinem Joghurt selbst mit frischen wohlschmeckenden Früchten geben.

Antioxidationsmittel:
Stark tocopherolhaltige Extrakte (E 306):
Lebensmittelzusatzstoff, der aus dem Samen ölhaltiger Pflanzen gewonnen wird. Lebensmittel werden teilweise mit Tocopherolen angereichert, um den Vitamsoja2in-E-Gehalt zu erhöhen, dabei ist nicht einmal sicher, ob das überhaupt gelingt. Eine von vielen Fragen, die sich mir stellt: Warum muss in einem Naturjoghurt Vitamin E enthalten sein? Wenn ich den Joghurt selbst mit einigen Walnüssen verfeinere, habe ich sehr viel mehr und – vor allem – echtes Vitamin E!

Ascorbylpalmitat (E 304): Lebensmittelzusatzstoff, der durch die Veresterung von Ascorbinsäure mit Palmitinsäure hergestellt und chemisch synthetisiert wird.

Veganer Joghurt: Kein adäquater Ersatz

Alle hier aufgeführten Stoffe gelten als gesundheitlich unbedenklich. Das ist sehr erfreulich. Mit Natur und Natürlichkeit haben sie dennoch nicht mehr viel zu tun.
Das natürlichste Teilprodukt unseres Beispiel-Joghurts ist wahrscheinlich das Wasser.
Selbst der Zucker ist industriell hergestellt und aus diesem Grund ungesund.

Wenn ich meinen Joghurt selbst zubereite, ist darin nichts weiter zu finden als Milch und Ferment. Zugegeben: Ich kann meinen selbst gemachten Joghurt nicht wochenlang aufheben, doch ist das auch gar nicht notwendig.
Ich bin VegANDaner, meine Devise lautet: So natürlich wie möglich, so vegan wie nötig!
Die meisten veganen Naturjoghurts sind keinesfalls so natürlich wie möglich, deshalb sind sie für mich kein adäquater Ersatz für den Naturjoghurt aus tierischer Milch.

Nicht vegan um jeden Preis

Die VegANDaner essen nicht vegan um jeden Preis, so lehnen sie beispielsweise auch vegane Fertigprodukte ab, genauso wie sie „normale“ Fertigprodukte ablehnen. Sie lehnen vegane Wurst genau so ab, wie sie „echte“ Wurst ablehnen.
Durch ihre Überzeugung verzichten die VegANDaner auf viele Nahrungsmittel. Beinahe ist man geneigt, festzuhalten, dass der Verzicht der VegANDaner in der heutigen Zeit fast schon größer ist als der Verzicht der Veganer. Schauen Sie sich einmal bewusst selbst in einem Supermarkt um. Wie viele Lebensmittel sind noch natürlich? Sie werden staunen, wie hoch der Anteil derjenigen Nahrungsmittel ist, die von ihrer ursprünglichen Natürlichkeit ein wenig bis viel bis sehr viel abweichen.


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Kerstin WeberErnährungLebensmittelzusatzstoffe,Naturjoghurt,vegan,VegAndaner,ZusatzstoffeNeulich entdeckte ich bei Facebook eine wahre Lobeshymne auf veganen Joghurt. Ein Veganer hatte gepostet, dass es einen ganz neuen mit einer neue Geschmacksrichtung gäbe. Das Ganze wurde von verschiedenen weiteren Veganern kommentiert. Was mir dabei auffiel, waren die durchweg positiven Bekundungen. Und mehr noch: Da reihten sich Superlative...